Seefunk #1 - Gewaltfrei heißt nicht konfliktfrei
Shownotes
Gewaltfrei heißt nicht konfliktfrei.
Was geschieht, wenn etwas in uns grummelt – Neid, Ärger, Enttäuschung oder Traurigkeit? Häufig richtet sich unsere Aufmerksamkeit dann zunächst nach außen: Wir beschäftigen uns damit, was ein anderer Mensch getan hat, reden über die Situation oder tragen unsere Gedanken still mit uns herum.
Die Gewaltfreie Kommunikation lädt zu einer weiteren Bewegung ein: den Blick auch wieder zu uns selbst zurückzuholen.
Was denke und bewerte ich gerade? Was fühle ich? Was nehme ich körperlich wahr? Und welches Bedürfnis – was mir wirklich wichtig ist – wird darin sichtbar?
In dieser Folge geht es darum, Gedanken und Bewertungen nicht wegzumachen, sondern sie als Teil unseres Erlebens ernst zu nehmen und gleichzeitig genauer unterscheiden zu lernen.
Am Beispiel von Neid und Anerkennung schauen wir darauf, wie aus einem zunächst unangenehmen Gefühl eine wichtige Information über uns selbst werden kann: Was fehlt mir? Wonach sehne ich mich? Was ganz konkret würde mich Anerkennung erleben lassen?
Damit öffnet sich der Blick auf unterschiedliche Strategien. Denn für ein Bedürfnis gibt es nicht nur einen einzigen Weg, es zu erfüllen. Genau darin können neue Spielräume entstehen.
Außerdem geht es um:
Selbstempathie und den Kontakt zu dem, was in uns lebendig ist Gedanken, Bewertungen, Gefühle und Bedürfnisse Körperwahrnehmung und Nervensystem Bedürfnisse und unterschiedliche Strategien Selbst- und Co-Regulation Grenzen, Empathie und ein klares Nein Verantwortung dafür, was aus unserem inneren Erleben nach außen wirkt
Die Gewaltfreie Kommunikation wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt. Ich empfinde viel Dankbarkeit für die Haltung und Sprache, die er damit in die Welt gebracht hat.
Für mich entsteht Verbindung, wenn ich mir selbst mit Wohlwollen zuhöre, auch den widersprüchlichen Seiten in mir Raum gebe und Verantwortung dafür übernehme, was daraus im Kontakt mit anderen entsteht.
Lieber lesen?
Du möchtest den Seefunk lieber lesen oder einen Gedanken noch einmal nachlesen? Die vollständige Lesefassung dieser Folge findest du auf Klarseen: https://klarseen.de/seefunk/gewaltfrei-heisst-nicht-konflitktfrei/
Mehr zum Seefunk und zu Klarseen: https://klarseen.de/gfk-blog-und-podcast-seefunk/
Lust, tiefer einzutauchen?
Wenn du die Gewaltfreie Kommunikation nicht nur kennenlernen, sondern erleben und für deinen Alltag vertiefen möchtest, findest du hier mehr zum Seminar: https://klarseen.de/eintauchen-in-die-gewaltfreie-kommunikation/
Zum Weiterlesen
Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens
Transkript anzeigen
00:00:01: Willkommen beim Seefunk, dem Podcast von Sabine Dieterle.
00:00:05: Hier verbinde ich gewaltfreie Kommunikation mit Impulsen aus Psychologie, Neurologie, innere Anteilerarbeit sowie Selbst- und Korregulationen.
00:00:14: Schön dass du da bist!
00:00:17: Gewaltfrei heißt nicht konfliktfrei.
00:00:21: Vielleicht klingt das für dich auch mal selbstverständlich?
00:00:24: Gleichzeitig begegnet mir rund um die Gewaltfreien Kommunikations immer wieder die Vorstellung Wenn ich GFK wirklich kann, dann müsste ich doch ruhig bleiben.
00:00:35: Verständnisvoll reagieren und möglichst die richtigen Worte finden.
00:00:40: Die gewaltfreie Kommunikation wurde von Marshall Rosenberg entwickelt.
00:00:45: Ich empfinde viel Dankbarkeit für das was er damit in die Welt gebracht hat Eine Haltung eine Sprache die uns dazu einladen bewusster wahrzunehmen was in uns geschieht unsere Gedanken und Bewertungen ebenso wie unsere Gefühle und Bedürfnisse und darüber miteinander in Verbindung zu kommen.
00:01:05: Gerade darin liegt für mich ihre Stärke, es geht nicht darum bestimmte Gedanken oder Gefühle nicht mehr zu haben.
00:01:14: Gewaltfreie Kommunikation die lädt uns vielmehr ein mit dem in Kontakt zu kommen was in uns lebendig ist.
00:01:20: Und daraus möglichst bewusst und verbunden zu sprechen und zu handeln.
00:01:26: Das kann Ärger- oder Traurigkeit sein Unsicherheit Rückzug oder Neid Aber auch große Freude, Begeisterung oder Berührtsein.
00:01:36: All das gehört zu uns und nicht alles davon fällt uns leicht wahrzunehmen oder zu zeigen.
00:01:45: Oft passiert nach außen sogar erstaunliche wenig – während in uns längst ganz viel arbeitet.
00:01:53: Ein Beispiel dazu.
00:01:55: Stell dir vor.
00:01:55: eine Kollegin erzählt dass sie ne Aufgabe bekommen hat die du selbst sehr gern übernommen hättest oder jemand bekommt Anerkennung für was, bei dem du denkst, das hätte ich auch verdient.
00:02:09: Nach außen?
00:02:11: Das ist vielleicht gar nicht viel!
00:02:13: Du gratulierst... ...du lächelst,... ...du gehst weiter und innerlich beginnst zu grummeln.
00:02:20: Na klar!
00:02:21: Hey sie wieder!
00:02:23: Bei ihr wird doch immer alles gesehen!
00:02:25: Warum eigentlich nie
00:02:26: ich?!
00:02:28: Später erzählst du einer anderen Person davon und edu dich versießt, redest du eine ganze Weile über die Kollegin.
00:02:37: Darüber was sie macht?
00:02:39: Warum das ungerecht findest oder was dich an ihr schon länger stört?
00:02:44: Das kann zunächst sogar entlasten!
00:02:47: Wir brauchen Menschen um unser Erlebnis zu teilen und zu sortieren und uns damit auch zu regulieren.
00:02:55: Und auch unsere Bewertungen haben bei ihren Platz.
00:02:59: Sie erzählen uns etwas darüber wie wir eine Situation gerade erleben und einordnen.
00:03:07: Und gleichzeitig kann es passieren, dass unsere Aufmerksamkeit fast vollständig bei den anderen bleibt.
00:03:15: Was hat sie getan?
00:03:16: Warum bekommt sie das?
00:03:18: Warum entscheidet die Chefin so?
00:03:21: oder wer erzählen niemanden davon und tragen das Grummeln einfach mit uns herum?
00:03:28: Die spannende Bewegung beginnt für mich dort wo ich den Blick irgendwann wieder zu mir zurückholen kann der Frage, was ist eigentlich lebendig in mir?
00:03:39: Nicht um Gedanken und Bewertungen wegzumachen sondern um genauer zu unterscheiden.
00:03:44: Was denke ich denn über die Situation?
00:03:47: Das fühle ich!
00:03:48: Was nämlich in meinem Körper war und was ist mir wichtig?
00:03:53: Da ist Neid oder Ärger Enttäuschung oder Traurigkeit.
00:04:00: Ich spüre Druck im Brustkorb oder dieses unangenehme Ziehen im Bauch Und wenn ich ein wenig langsamer werde dann entdecke ich darunter Was mir wichtig ist, ich möchte zum Beispiel gesehen werden.
00:04:16: Anerkennung ist mir wichtig!
00:04:19: Ich möchte mit meinen Fähigkeiten beitragen können oder es geht um Zugehörigkeit, Entwicklung, Fairness und damit komme ich mein Bedürfnis näher dem was mir wichtig isst und wonach ich mich sehne.
00:04:36: Und plötzlich erzählt er Neid nicht mehr nur etwas über die andere Person Er erzählt etwas über mich.
00:04:45: Genau das ist für mich ein wichtiger Teil von Selbstempathie.
00:04:49: Auch meine Bewertungen dürfen da sein und sie sind Teil meines Erlebens, also auch wenn ich ganz und gar gewaltfrei bin dann darf ich trotzdem noch schimpfen weil ich damit ein Stückchen näher zu mir komme weil ich mich damit ein bisschen tiefer verstehen kann.
00:05:11: in der Haltung geht es nur darum wie gehe ich wieder damit in Kontakt?
00:05:16: Es ist also hilfreich wenn ich unterscheiden kann.
00:05:19: Das ist mein Gedanke über die Situation, das ist mein Gefühl und dahinter gibt es einen Bedürfnis, dass mir wichtig ist.
00:05:29: Die gewaltfreie Kommunikation schenkt mich also nicht, dass ich konfliktfrei werde wenn ich sie richtig gut kann sondern Sie schenken mir ein Bewusstsein dafür zum Beispiel dass ich meinen Neid meine bewertenden Gedanken nicht loswerden muss.
00:05:46: Ich kann Ihnen zuhören nun neugierig werden Und schauen was erzählen Sie mit ihnen?
00:05:52: über das, was da gerade in mir lebendig ist.
00:05:56: Und dann kommt noch eine weitere Frage dazu.
00:06:00: Was ganz konkret wird mich zum Beispiel wenn wir auf das Beispiel nochmal zurückkommen Anerkennung erleben lassen?
00:06:08: Brauche ich eine Rückmeidung zu meiner Arbeit?
00:06:11: Möchte ich meine Führungskraft über meine Entwicklungsmöglichkeiten?
00:06:17: Mötte ich darüber sprechen?
00:06:20: Würde ich gerne eine bestimmte Aufgabe übernehmen oder möchte ich selbstbewusster wahrnehmen und würdigen, was mir gelungen ist?
00:06:29: Und damit komme ich vom Bedürfnis zu möglichen Strategien, also zu konkreten Wegen.
00:06:36: Wichtig für das Sorgen kann was mir wichtig ist und genau dadurch entsteht Spielraum!
00:06:43: Für ein BedürFnis gibt es viele unterschiedliche Strategien.
00:06:48: Also Anerkennung wenn wir bei dem Bedürftnis bleiben die muss nicht nur über diese eine Person oder diese eine Situation entstehen hier klarer Ich verstehe was ich brauche Dass du mehr Möglichkeiten kannst, kann ich entdecken.
00:07:03: Und daraus kann auch eine konkrete Bitte entstehen an einen anderen Menschen oder an mich selbst.
00:07:11: Die Bewegung geht damit ein Stück weg vom ausschliesslichen Reden über und hin zum Verstehen Was ist denn da genau in mir lebendig?
00:07:22: Und danach nochmal zu schauen welche Handlungsmöglichkeiten ich habe.
00:07:27: Manchmal führt uns diese Klärung im Innen dann eben wieder nach außen.
00:07:35: Beispiel, wir haben mit jemandem etwas vereinbart und dann läuft es anders als abgesprochen.
00:07:40: Da kann ja sofort der Gedanke auftauchen – auf dich kann man sich einfach nicht verlassen!
00:07:46: Und auch dieser Gedankel darf da sein.
00:07:48: Wer zeigt mir nämlich wie ich die Situation gerade deute?
00:07:52: Gleichzeitig kann's hilfreich sein ihn von dem zu unterscheiden was da ganz konkret passiert ist.
00:07:59: Das wäre das Element eins.
00:08:02: Ich könnte sagen Wir hatten vereinbart dass du mir bis gestern Bescheid gibst Und ich habe keine Nachricht bekommen, die Beobachtung.
00:08:14: Ich bin enttäuscht oder ärgerlich.
00:08:17: wenn er nicht meinen Gefühl und dahinter steckt mein Bedürfnis nach Verlässlichkeit- oder Planbarkeit.
00:08:23: Neben dem Gedanken auf dich kann man sich einfach nicht verlassen steht dann plötzlich auch dass ich enttäuscht bin und das mir Verläßlichkeit wichtig ist.
00:08:34: Daraus kann eine andere Klarheit entstehen.
00:08:38: Dann könnte ich zum Beispiel sagen Mir ist wichtig, dass ich mich auf unsere Absprachen verlassen kann.
00:08:43: Und wenn du merkst das es anders wird dann möchte ich ganz kurz Bescheid wissen und ich kann noch eine Frage hinterher schicken.
00:08:50: Passt es für dich?
00:08:52: Wir könnten auch in den Abklären gehen.
00:08:56: haben wir noch andere Optionen im gemeinsamen Austausch?
00:09:00: Es kann aber auch sein Ich merke ich bin gerade zu aufgebracht für dieses Gespräch.
00:09:04: Dann kann der stimmige Reaktion auch sein.
00:09:10: Ich brauch erst einen Moment.
00:09:12: Denn wenn unser Nervensystem stark aktiviert ist, dann beeinflusst es das wir in einer Situation anders wahrnehmen.
00:09:22: Da tauchen andere Gedanken auf.
00:09:24: Es beeinflußt auch was wir fühlen und wie wir schließlich drüber sprechen oder auch wie wir handeln.
00:09:32: Und oft möchten wir gerade des was unangenehm ist oder sich überwältigend anfühlt schnell wieder loswerden.
00:09:38: Also haben den Wunsch vielleicht in eine gewaltfreien Haltung im totalen Ummodus zu sein.
00:09:47: Wir ziehen uns zurück, um es loszuwerben.
00:09:52: Legt uns ab!
00:09:55: Wir krummeln was in uns hinein oder reden mit anderen über die Situation und innen drin denken wir vielleicht ich würde es gar nicht anders lösen.
00:10:05: Ich hätte es gern los.
00:10:06: Ich wäre gerne tiefenentspannter.
00:10:11: Wenn die Gefühle ganz stark sind, dann geht die Bewegung vielleicht auch sofort nach außen.
00:10:16: Wir werden scharf und fahren jemanden andere sagen Dinge, die wir so eigentlich gar nicht sagen wollten.
00:10:22: Und diese Reaktionen gehören zu uns – die entstehen ja nicht grundlos!
00:10:27: Und wir versuchen in der Regel etwas Wichtiges zu schützen.
00:10:31: Die gewaltfreie Kommunikation lädt mich an dieser Stelle zu einer anderen Bewegung ein.
00:10:37: Nicht sofort weg von dem was unangenehm ist sondern zunächst mal genau dorthin Zu dem Ärger, der Traurigkeit, den Leid, der Angst oder der Unsicherheit.
00:10:49: Zu dem was ich im Körper wahrnehme.
00:10:51: Zu meinen Gedanken und Bewertungen.
00:10:53: Und schließlich auch nochmal zu der Frage Was ist mir eigentlich so wichtig?
00:10:58: Welches Bedürfnis meldet sich da gerade?
00:11:01: Das heißt nicht dass ich bei einem starken Gefühl bleiben muss Oder das ich es größer machen muss.
00:11:08: Es geht darum ihm zuzuhören Moment es noch nicht gleich verändern zu wollen oder eben auch dem Reiz zur Widerstehen direkt daraus, zu handeln.
00:11:20: Und das geht nur wenn wir uns den starken Gefühl immer wieder zuwenden Wenn wir in Kontakt gehen und dort entsteht für mich ein Stück Freiheit.
00:11:34: Wenn ich wahrnehmen und unterscheiden kann als geschiedener geradein mir dann muss meine Austereaktion nicht automatisch mein nächster Schritt sein Und wenn dann wieder ein bisschen mehr Ruhe und Sicherheit da ist, kann sich auch die Neugier auf mein Gegenüber öffnen.
00:11:52: Das könnten bei dir gerade lebendig sein!
00:11:56: Dabei geht es nicht darum meine eigene Sicht durch die der anderen Person zu ersetzen – beides darf nebeneinander stehen.
00:12:06: Ich kann verstehen dass du unter Druck stehst UND sagen das ich so nicht angesprochen werden möchte.
00:12:13: Ich kann empathisch sein und nein sagen.
00:12:23: Und genau deshalb mag ich den Satz, gewaltfrei heißt nicht konfliktfrei.
00:12:30: Es geht nicht darum, Ärger, Neid, Traurigkeit oder Bewertungen loszuwerden.
00:12:38: es gibt darum bewusster wahrzunehmen was gerade in mir lebendig ist.
00:12:43: uns ist sinnbildlich auch ein Arm zu nehmen und daraus entsteht dann Abstand und dann wieder mehr Wahlmöglichkeiten.
00:12:54: Wenn du magst, dann geh doch in den nächsten Tagen mit diesen zwei Fragen.
00:13:01: Was ist gerade lebendig in mir und was brauche ich?
00:13:08: Für mich entsteht Verbindung immer wieder wenn ich mir selbst mit Wohlwollen zuhör.
00:13:15: Auch wenn da widersprüchliche Seiten da sind denen Raum zu geben und Verantwortung zu übernehmen für das was da gerade passiert.
00:13:27: Und daraus entschied auch wieder Kontakt mit anderen.
00:13:35: Vielleicht hast du ja Lust, diesen Sehfunk lieber zu lesen oder in Gedanken später noch mal nachzulesen.
00:13:42: Dann findest du den Text auch auf meiner Klausenseite.
00:13:47: Den Link den pack ich in die Show Notes.
00:13:50: Danke dass du dir Zeit genommen hast zuzuhören!
00:13:54: Ich freue mich wenn du beim nächsten Sehfunkel wieder dabei sein wirst.
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